Das Passionsspiel

Das Passionsspiel von Altmühlmünster ist jung. Kein Pestversprechen aus dem 30-jährigen Krieg, kein Büßergelübde und keine materielle Not waren der Anlass für die Passionsspiele von Altmühlmünster. Am Anfang stand im Herbst 1982 alleine die Frage des damaligen Pfarrers Dietmar Schindler an seine Pfarrgemeinderatsmitglieder – unter ihnen Günther Schlagbauer, wie denn die fast leeren Bänke in seiner Pfarrkirche wieder gefüllt werden könnten. Es war zugleich auch die unausgesprochene Frage, wie die Mitglieder der Pfarrgemeinde und die Menschen der Region wieder zu einer Einheit zusammen geführt werden. Die Antwort auf diese beiden Fragen war schließlich der Beginn der Passionsspieltradition von Altmühlmünster. Alle Akteure sowie die Helferinnen und Helfer hinter der Bühne sind ehrenamtlich tätig, niemand erhält eine Entlohnung. Die Einnahmen werden nach Abzug der Unkosten an karitative Einrichtungen

zumeist aus der Region gespendet.

 

Ideengeber, Initiator und treibende Kraft der ersten Stunde war Günther Schlagbauer. Er war überzeugt, mit einem eigenen Passionsspiel – von vielen als schier unmögliches Unterfangen belächelt – den Menschen in der Pfarrei eine große gemeinsame Aufgabe geben zu können. Ein Gemeinschaftsprojekt, das sie über lange Zeit verbindet, sie miteinander ins Gespräch bringt und zu einer wachsenden Vertrautheit führt. „Machen sie mal", hatte Pfarrer Schindler ihm mit auf den Weg gegeben.

 

 

Inzwischen steht das Passionsspiel in der Pfarrkirche von Altmühlmünster vor seiner achten Spielreihe. Etwa 20 000 Menschen haben seit der ersten Premiere 1983 die Aufführungen besucht. Das Presse- und Medienecho weit über die Region hinaus ist von Beginn an beeindruckend. Mit jeder Inszenierung musste die Zahl der Aufführungen wegen der anhaltenden Publikumsnachfrage erhöht werden.

 

Die Spielreihe 2017 bringt zahlreiche Neuerungen. Nach der kürzlich erfolgten Renovierung der Pfarrkirche war es unumgänglich, die Bühne, das Bühnenbild, die Beheizung des Altarraums sowie die komplette Lichttechnik neu zu entwickelt und individuelle Lösungen anzufertigen. Die enormen Kosten hierfür können vom Passionsspielerverein Altmühlmünster e.V. nur durch eine Förderung im Rahmen des Europäischen LEADER-Projekts sowie mit Unterstützung durch die Stadt Riedenburg gestemmt werden.

 

Zudem hat der Passionsspielbegründer und bisherige Spielleiter Günther Schlagbauer die Regie- und Spielleitungsaufgaben an einen jüngeren Nachfolger abgegeben. Neu in der Verantwortung für das Gelingen des Passionsspiels steht nun Alois Gaul, der bisherige Darsteller des „Sabot". Günther Schlagbauer, die „Seele" der Passionsspiele, bleibt Vorsitzender des Passionsspielvereins e.V.

 

 

Das bis heute verwendete Textbuch zum Passionsspiel hatte Schlagbauer noch aus den Jahren, als sich die Kolpingfamilie Riedenburg mit ihm als Darsteller schon mal an dieses große Thema gewagt hatte. Aus dieser Zeit zog Schlagbauer seine Erfahrungen als Darsteller – zugleich schlüpfte er so in die Aufgaben als Regisseur und Spielleiter. Noch niemals zuvor war in der viele Jahrhunderte alten Pfarrkirche von Altmühlmünster ein Passionsspiel aufgeführt worden. Somit war bis zur Premiere am 26.03.1983 vieles an Organisationsarbeit und Improvisation – von der Bühne und den Kulissen bis zu den Kostümen und der Beleuchtung- zu leisten. Die Begeisterung der Pfarrbewohner war allgegenwärtig und auch ihre Bereitschaft war groß, die entsprechenden Rollen im Spiel zu übernehmen. Einfache Leute – Handwerker, Landwirte, Fabrikarbeiter, Hausfrauen und Schüler – fanden den Mut, sich für die Passion Christi auf die Bühne zu stellen. Dennoch blieben es in den ersten Inszenierungen immer zu wenig Darsteller. So musste jeder Mitwirkende, der auch nur ein wenig Zeit zwischen seinen Einsätzen hatte, eine Doppelrolle übernehmen. An eine Zweitbesetzung der Hauptrollen, um bei Terminproblemen oder Krankheit noch spielfähig zu sein, dachte damals ohnehin niemand. Auch handwerkliches Geschick war notwendig. Sogar der erste Jesus-Darsteller Alfred Schels und die beiden Schächer – sein Bruder Georg und Alois Diepold aus Laubhof – mussten ihre Kreuze selber zimmern. Im elterlichen Anwesen der Brüder Schels lagen ein paar alte Balken, die schon als Brennholz für die Kreissäge bereit lagen. Aus diesen Balken fertigten die drei ihre Kreuze, die bis zum Finale der Spielreihe 2012 in jeder Inszenierung und bei unzähligen Proben dem Heiland und den beiden Schächern den Opfertod brachten. Ihre Bärte mussten die Akteure während der ersten Inszenierung noch vor jeder Aufführung ankleben und nicht selten lösten sich die künstlichen Haare viel zu früh von den Wangen.

 

Den Messwein für das Abendmahl brachten die Apostel reihum von zu Hause mit. Ihre biblischen Kostüme konnten Schlagbauer und seine Helfer erste eine Woche vor der Premiere als Leihgabe des Residenztheaters aus München abholen. Die erste Inszenierung war so erfolgreich, dass sie gleich im nächsten Jahr wiederholt wurde.

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